Meine Lehrer

Mein erster Aikido-Lehrer war Asai Sensei. Ihm verdanke ich wirklich viel, in seiner Person spürte ich die Richtigkeit meiner Suche. Das intensive Training der ersten Jahre hat mich geformt. Ich lernte aufzustehen, wenn ich nicht mehr glaubte aufstehen zu können. Die Dynamik der Bewegungen erzwang natürliche Bewegung.

Durch Herrn Asai lernte ich Noro Sensei und Tada Sensei kennen. Tada Senseis Bewegung war schnell und stark aber man sah ihr an, dass Tada Sensei vom Karate zum Aikido gewechselt hatte. Ich war stark beeindruckt von der Klarheit und Schärfe seiner Bewegung, ich verstand sie als Ausdruck einer geistigen Klarheit. Mein Kontakt zu Tada Sensei war kurz, Intensiv aber richtungweisend.

Ich entschied: „Der Geist von Tada, die Bewegung von Noro". Da keiner meiner drei Lehrer nachhaltig über den geistigen Aspekt des Aikido sprach, ging ich nach Paris zu Noro Sensei. Seine Bewegung erschien mir vollkommen und er sprach über Harmonie, Liebe oder die Kraft des Universellen, um die es ginge im Aikido. Aber er lehrte – wie meine anderen Lehrer auch – dass das Augenblickliche noch nicht ausreichend sei, dass wir alle noch viel trainieren müssten.

Mein erstes Zen-Sesshin machte ich 1968 bei Nagaya Roshi, in Paris saß ich oft in der Rue Pernety, dem alten Dojo von T. Deshimaru Roshi . Mein Kontakt zu diesen Lehrern war jedoch nicht so eng, dass ich sie beschreiben mag.

Ich verließ all diese Lehrer, nachdem mir bewusst geworden war, dass das Ziel nicht in endlosem Üben und nicht im Streben nach Verbesserung liegt. Während Meister Noro etwas erklärte, war mir urplötzlich klar, dass ich meinen Körper allein gelassen hatte – so meine damalige Formulierung – und dass es allein darum ginge, wieder zurückzukehren in meinen Körper. Diese Erfahrung wie eine kurze Begegnung mit Tohei Sensei, bestätigten mein Gefühl, dass die Alltagsbewegung oder die alltägliche Haltung eine Schlüsselrolle in meiner Suche einnehmen müssten.

1974 trainierte ich das erste Mal bei Yamaguchi Sensei, am Hombu Dojo. Seine Bewegung hatte jene unspektakuläre Einfachheit die ich suchte, gerade darin war sie spektakulär. Die Effektivität seines Aikidos lag nicht unmittelbar in der Technik, sondern in ihren universellen Grundprinzipien. Die Bewegungen meiner frühen Lehrer waren effektiver, Yamaguchi Sensei aber hatte ein grenzenloses Potenzial. Sein Aikido zeigte auf den Menschen.

Oft sprach ich mit Yamaguchi Sensei über den geistigen Aspekt des Aikido, meine Forderung, die geistigen Aspekte während des Trainings stärker anzusprechen, beantwortete er stets mit: „People don´t understand". Jetzt ist er tot und ich vermisse ihn. Mit den Worten:„Du bist lange schon dein eigener Lehrer", hatte er sich von mir während meines letzten Japanaufenthaltes verabschiedet.

Während meines Japanaufenthaltes, 1974, praktizierte ich Zen bei Yamada Roshi. Er besaß ein Dojo, wie ich ein Aikido-Dojo besaß. Da mich sein Dojoprogramm nicht ausfüllte, entschied mich in ein Zen-Kloster zu gehen. In Harada Roshi, dem Abt des Kloster Hosshinji, fand ich noch einmal einen Menschen, der wirklich Richtungweisend für mich war.

In meiner Achtung, wie auch in meinem Herzen, stehen all diese Lehrer an gleicher Position, von jedem konnte ich etwas anderes nehmen. Jeden von ihnen traf oder fand ich zur richtigen Zeit. Meine erste Lehrerin aber war meine blinde Mutter. Sie hatte mich gelehrt, mit allen Sinnesorganen zu sehen.

© G. Walter 2006

 

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